Hay Festival Möbel
Für ein Festival geeignete Möbel
Im Jahr 2008 beauftragte AHEC den renommierten britischen Möbelhersteller Philip Koomen damit, die Bühnenausstattung für das Guardian Hay Festival zu entwerfen und herzustellen. Das Ergebnis war eine atemberaubende maßgeschneiderte Bühnenausstattung in American red oak – 10 Stühle, ein Gesprächstisch, 4 Lesepulte und 4 kleine Tische.
Im Mittelpunkt des Auftrags vom Veranstaltungsleiter Peter Florence stand die Anforderung, den einmaligen Stil von Guardian Hay Festival Bühnenpräsentationen wiederzugeben, die die Beteiligung der Zuschauer begrüßt, den Ideenaustausch unterstützt und lebhafte Diskussionen anregt. Gleichzeitig war aber auch der Komfort der Redner vorrangig. Für Philip Koomen stellte dieser Auftrag also die perfekte Möglichkeit dar, ‘körperbewusste’ Designprinzipien anzuwenden, die weit über Ergonomie hinausgingen, um die Studie der Körperhaltung und die Auswirkung des Sitzens auf den menschlichen Körper zu vereinen.
Der Auftrag bot die Möglichkeit, nordamerikanische red oak, eine weniger bekannte Holzart, zu verwenden. Das Holz ist mit seiner charakteristischen Form und lachsfarbenem bis hellbraunem Farbton sehr attraktiv. Die Politur betont die sanften Schattierungen des Holzes. Dies war das erste Mal, dass Koomen mit red oak arbeitete und er war „von der Farbe, Beschaffenheit und Stärke beeindruckt”. Er verwendete die charakteristische Faserung und warmen Farbtöne, um ein bedeutendes modernes Design-Statement zu machen. Koomen fährt fort: „Als Designer halte ich es für wichtig, Holzarten zu verwenden, die nicht oft genutzt werden, und dieser Auftrag war perfekt dafür; Die Kunden waren besonders empfänglich dafür, Holz aus einer gut bewirtschafteten nachhaltigen Quelle zu verwenden. American black walnut habe ich dagegen für die Details ausgewählt, weil es einen satten dunklen Kontrast zur red oak bildet.”
Red oak wird als Holzart nicht oft verwendet, obwohl es sich dabei um die in Nordamerika am häufigsten wachsende Holzart handelt. Um eine nachhaltige Zukunft für unsere weltweiten Forstressourcen zu garantieren, müssen wir die Nachfrage nach den von uns verwendeten Schnittholzprodukten darauf ausrichten, was in unseren Wäldern wächst.
Koomens Design-Philisophie gründet sich auf dem Arts & Crafts Ideal, aber nicht auf dem Stil: auf Design, Handwerkskunst und Material werden als integriertes Ganzes angesehen. Er bringt sein Design auf eine minimale Form herunter, auf die wesentlichen Elemente, sodass die Charakteristika des Holzes durch das Design zelebriert werden. Das Holz wird geölt, gewachst oder mit einem durchsichtigen Satin-Lack bestrichen. Ein Auge fürs Detail ist bei diesem Ansatz von äußerster Bedeutung, also muss die Handwerkskunst von höchster Qualität sein.
Hier spricht Philip Koomen, begeisterter Anhänger des Guardian Hay Festival, ausführlicher über die Möbel:
Der Hay-Tisch
Die Inspiration hinter dem Tisch ist ein sich öffnendes Buch – ein literarischer Bezug schien am zutreffendsten für dieses Design. Die Form des Tisches, mit seiner verlängerten, elliptischen Oberfläche, wurde durch die Vorgabe bestimmt, dass bis zu sechs Personen Platz haben mussten. Die sternförmigen ‘Seiten’ oder Arme geben eine feine aber dynamische Form. Mir gefällt besonders die von ihnen ausgehende rhythmische Qualität. Der Innenraum fungiert als Behälter und Leitung für die Mikrophonkabel. Die dreieckige Konsole spiegelt die umgedrehte Form eines sich öffnenden Buches wider. Mir wurde gesagt, dass es auch ein Bezug auf die Hügel in der Gegend ist. Vielleicht war das ja eine unterschwellige Reaktion auf den Auftrag! Meiner Meinung nach gibt die Verwendung von walnut für dieses Element der Form als Ganzes eine ausgeprägtere Definition und Klarheit.
Der Hay-Stuhl
Stühle sind eine wahre Herausforderung für einen Designer. Mir gefallen Stühle nicht, die einen bewegungsunfähig machen, d.h. wie angegossen sitzen. Stühle sollten emanzipierend sein. Sie sollten uns das Gefühl geben, dass wir uns relativ frei bewegen können, aber doch angemessene Stützung haben, wenn wir sie brauchen. Ich entwerfe seit 25 Jahren Stühle und bin zu dem Schluss gekommen, dass ein Stuhl nichts weiter als ein kulturelles Artefakt ist. Physiologisch sind wir nicht dafür gebaut, in Stühlen zu sitzen; autonomes Sitzen ist die natürlichste Sitzposition. Stühle sind größtenteils das Produkt einer Zivilisation, die nicht mehr mit ihrer Natur in Verbindung steht. Wir sind jedoch in hohem Maße abhängig von Stühlen und ich möchte, wie jeder andere auch, in einem Stuhl sitzen, in dem ich mich bewegen kann, aber der mir auch Halt gibt. Der Hay-Stuhl versucht, diesen Anforderungen gerecht zu werden, so wie auch etwas Schutz zu bieten in einer möglicherweise einschüchternden Situation, in welcher man von Hunderten von Menschen beobachtet wird!
Der Hay-Stuhl wurde so entworfen, dass er dem Sitzenden Rückenstützung durch die kurvenförmige Lehne gibt, die die natürliche Krümmung der Wirbelsäule nachahmt. Die Lücke in der Lehne vermeidet Druck auf die Wirbelsäule. Die schmale Lehne ist beabsichtigt, weil so eine Rotation des Oberkörpers ermöglicht wird. Diese Anforderung ist besonders wichtig, wenn an einer Debatte mehrere Personen teilnehmen.
Der Sitz aus Holz schließt Polsterung aus, weil die Sitzstabilität durch guten Kontakt mit den ‘Sitzknochen’ erreicht wird. Die Armlehnen, die absichtlich zu niedrig angesetzt sind, um die Arme darauf zu stützen, bieten dem Redner ein Gefühl von definiertem Raum sowie einen Kontaktpunkt, um nervöse Energien abzuleiten.
Das Stuhldesign wurde für Langlebigkeit erstellt. Die Fugen sind sogenannte ‘Vollzapfen’, d.h. die Sitzschienen erstrecken sich über die Beine und sind als freiliegende Endfaserung sichtbar. Die Zapfen werden mit kleinen Walnusskeilen befestigt, die das Aussehen von rechteckigen Einlagen annehmen. Ich habe Walnuss auch für die Verbindungsstücke zwischen den Beinen verwendet. Diese Fugen machen den Stuhl äußerst stark und geben ihm ein attraktives Merkmal.
Meine Absicht bei diesem Stuhldesign war es, ein Hilfsmittel für den Körper zu erschaffen, das es dem Redner ermöglicht, so entspannt wie möglich und doch mitten drin zu sein. Ich freue mich darauf, das Verhalten der Redner auf der Bühne zu sehen. Wenn sie die Stühle, auf denen sie sitzen, nicht wahrnehmen, dann halte ich das Design für einen Erfolg.
Das Hay-Lesespult
Beim Vortragspult handelte es sich um das am schwersten zu entwerfende Stück. Die Informationen, die ich erhalten hatte, änderten sich, als ich beim Entwurf war. Ich hatte vorher schon Lesepulte entworfen, und das war nun sehr hilfreich. Meine ursprüngliche Idee war es, eine elegante weibliche Form herzustellen. Durch die Informationsänderung wurde die endgültige Version dann im Vergleich etwas gedrungen; Mir gefällt es trotzdem. Ich bin der Meinung, dass ich die technischen Anforderungen für das Management von Kabeln und Beleuchtung einerseits und Eignung für den Zweck andererseits erfüllen konnte, und darüber hinaus trotzdem noch eine weiche kurvenförmige Gestaltung erzielen konnte, die gut auf die Bühne passt.
Peter Florence bat um die geschwungene Beschriftung. Sie musste subtil aber effektiv sein. Die scharfen, eingeritzten Buchstaben werden herausgehoben, wenn Licht aus einem Winkel auf sie fällt, weil sie dann einen ausgeprägten Schatten haben. Der Holzschnitzer David Williamson hat bei der Interpretation der Typographie des The Guardian und Hay Festival ganze Arbeit geleistet.
Der Leiter des Guardian Hay Festival Peter Florence ist von der Kollektion begeistert. Er sagt: „Dies ist ein charakteristisches Projekt für uns, bei dem Kreativität mit Nachhaltigkeit und der Schönheit des natürlichsten aller Materiale kombiniert wird. red oak ist warm und aufregend und Philip hat unseren Auftrag perfekt ausgeführt. Er gibt sein Verständnis für den einmaligen Charakter und Stil dieser Veranstaltung mit einer ausdauernden Möbelkollektion wieder, an der Redner und Zuschauer noch lange Jahre Freude haben werden.”
Philip Koomen
Philip Koomen ist ein international anerkannter Designer und Hersteller, dessen inspirierendes Design und Handwerkskunst zu weltweiter Verantwortung durch Kreativität beiträgt. Er führt Aufträge für eine Vielzahl von öffentlichen und privaten Kunden aus.
Philip Koomen ist ein Fellow of the Society of Chartered Designers, ein Fellow of the Royal Society of Arts, und ein Associate of the Institute of Wood Science. www.koomen.demon.co.uk
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